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19.02.2020

Yasuhiro Chida: Umgeben von Diamantenstaub

Immer öfter wird Yasuhiro Chida in einem Atemzug mit den ganz großen Lichtkunst-Koryphäen genannt. Für die Luminale wird er ein Kunstwerk schaffen, das absolute Dunkelheit voraussetzt.

Myrkviðr © Yasuhiro Chida / Foto: Frank Vinken

Riesengroß war die Freude, als Yasuhiro Chida seine Teilnahme an der Luminale 2020 zusagte. Aufgeregt waren viele, als sie vom Vorhaben des japanischen Lichtkünstlers hörten, eine Lichtinstallation in absoluter Dunkelheit schaffen zu wollen. Doch damit verbunden war auch die durchaus mühselige Suche nach dem passenden Ort für ein solch ungewöhnliches Vorhaben. Immer wieder mussten Pläne umgeworfen werden, bis schließlich der perfekte Raum gefunden war: Es ist der Felsenkeller der einstigen Röderberg Brauerei. Wo einst Biere lagerten und später die Diskothek O25 zu Hause war, wird bald nun ein außergewöhnliches Kunstwerk erfahrbar: Zum Teil tief in die Felsen am Hang des Röderbergwegs hineingeschlagen, bietet der Felsenkeller einen absolut lichtdichten Raum für Chidas Installation.

Yasuhiro Chida, der 1977 in Japan geboren wurde, beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit der Interaktion von Mensch und Umwelt, genauer: mit der sensorischen Wahrnehmung jener. Inspiration findet er bei Ausflügen in die Natur, beim Bergsteigen und beim Hinabklettern in tiefe Höhlen. Die hierbei gesammelten Eindrücke verarbeitet Chida in seinen Werken. Mit oft ausgesprochen simplen Mitteln schafft der Lichtkünstler beeindruckende künstlerische Erlebnisse. Chida hat große Installationen auch im öffentlichen Raum sowie in der Natur geschaffen, seit 2015 wird er zunehmend auch in Europa ausgestellt. Seine Arbeiten sind mehrfach preisgekrönt, 2019 war Chida unter den Finalisten des International Light Art Award, der vom Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna mitinitiiert wird. Für die Luminale wird er den Brauerei Keller in der Ostendstraße mit kilometerlangen transparenten Nylonfäden bespielen. Den Rest dieser poetischen Intervention besorgt eine einzige, präzise gesetzte Lichtquelle, die in absolute Dunkelheit fallen wird. „Man wird umgeben sein von mehreren Tausend winzigen Lichtpunkten, die sich im Raum bewegen”, erklärt Yasuhiro Chida sein Vorhaben. „Damit erinnern sie an das Naturphänomen des Diamanten- bzw. Polarschnees.“ Der Diamond Dust,wie das Wetterphänomen im Englischen heißt, bezeichnet eine besondere Form des Niederschlags, bei der sich Bodenwolken und hierin Eisnadeln bilden, die sich unmittelbar aus dem Wasserdampf bilden und von hier aus zu Boden fallen. Die Eiskristalle funkeln wie Diamanten, was dem Phänomen seinen Namen gab.

“Ich glaube, dass Raum selbst Schönheit besitzt”, ergänzt Yasuhiro Chida. “Allerdings ist Raum weder sichtbar noch berührbar. Licht ist das reinste Material, das den Raum greifbar machen kann. Wenn dessen Dichte so unendlich gering ist, bis zu dem Punkt, an dem Menschen eine Art von Existenz fühlen können, verliert das Material seine Materialität und bleibt nur noch als Qualität und Raum erhalten. Die Menschen fühlen sich, als wären sie von Tausenden von Lichtpartikeln umgeben.”

 Das Luminale-Projekt von Yashuhiro Chida: Myrkviðr

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