News

12.12.2019

„Wir möchten den Recycling-Gedanken aktualisieren“

Materiallager bieten eine wichtige Möglichkeit, um den Ausstellungsbetrieb nachhaltiger zu gestalten. Mit „Material für Alle“ hat der Galerist und Kulturschaffende Felix Große-Lohmann seinen Traum von einer solchen Anlaufstelle in Frankfurt erfolgreich anschubfinanziert. Als Partner steht MFA nun auch der Luminale und ihren Künstler*innen zur Seite.

In einem Punkt sind sich fast alle einig: Der Kunst- und Kulturbetrieb muss nachhaltiger werden. Kunstausstellungen zu realisieren, kostet zwangsläufig Ressourcen – aber es gibt, neben der Einsparung von Emissionen, Wege und Möglichkeiten, deren Verbrauch deutlich zu reduzieren. Die Kulturbehörde der Stadt New York geht hier seit mehreren Jahrzehnten mit gutem Beispiel voran: Das „Material for the Arts“-Programm stellt Kunst- und Kulturschaffenden, aber auch Schulen oder gemeinnützigen Organisationen ein gigantisches Lager an gespendeten, neuen und gebrauchten Materialien zur Verfügung.

In Deutschland hat die Idee vom Materiallager bzw. der Materialverwaltung erst langsam Fuß gefasst. Frankfurter*innen können sich jetzt glücklich schätzen: Gerade ist die Anschubfinanzierung für „Material für Alle“, kurz MFA, erfolgreich beendet worden. Über 10.000 Euro hat Felix Große-Lohmann für sein Projekt via Crowdfunding generieren können. Seit dem 9.11.19 ist das Lager offiziell eröffnet und steht Künstler*innen, Kulturschaffenden, aber auch Institutionen zur Verfügung. „Wir haben schon geöffnet, “ erklärt der gebürtige Frankfurter, „aber natürlich gibt es immer etwas zu tun.“ Die große Herausforderung, so Große-Lohmann, sei dabei gar nicht das Einsammeln gebrauchter oder anderweitig nicht mehr benötigter Materialien. Er ist gut vernetzt, übernimmt auf Wunsch die Abholung und Verteilung der angelieferten Stoffe. Aber für Infrastruktur, Lageraufbau und Fixkosten war die finanzielle Unterstützung dringend nötig.

In den Kulturbetrieb ist Große-Lohmann eher zufällig gerutscht. „Ich habe Kunsterziehung und Englisch für das Lehramt an Gymnasien studiert, aber bereits während meines Studiums beschlossen, andere Wege zu gehen, “ erklärt der 35-jährige. Vor einigen Jahren gründete er den Ausstellungsraum Husslehof im Gallusviertel. Das Lagerprojekt MFA empfindet Felix Große-Lohmann als sinnvolle Fortsetzung und Ergänzung: „Ich schätze die Möglichkeit, aktiv in der Kunst- und Kulturszene involviert zu sein und gleichzeitig strukturelle Veränderungen schaffen zu können.“

Eine seiner wichtigsten Aufgaben in der nächsten Zeit beschreibt er so: „Es geht nicht nur darum, Materialien einzusammeln und anzubieten. Viel wichtiger ist es, Anregungen zu schaffen – damit das gebrauchte Material auch genutzt wird. Damit positive Beispiele geschafft werden, die zeigen, was sich damit alles machen lässt. Wir möchten diesen eigentlich alten Recycling-Gedanken aktualisieren und so organisieren, dass sich MFA lokal in Frankfurt und Umgebung etabliert und sich hier auch als wirtschaftlich sinnvolle Struktur durchsetzt.“

An der Luminale 2020 möchte Felix Große-Lohmann auf zweierlei Weise teilnehmen: Zum einen als Partner für Künstler*innen und Aussteller*innen, die Hilfe benötigen bei der Materialsuche. Von Tisch und Sockel bis zum Baustoff – der gebürtige Frankfurter ist gut vernetzt und weiß, wo er auch kurzfristig noch Materialien für den Ausstellungsbetrieb auftreiben kann. „Das Lager wird in jedem Fall geöffnet sein, auch für Interessent*innen, die vielleicht einen kleinen Abstecher vom Lightwalk machen möchten, “ erklärt Große-Lohmann. Ideen austauschen, Materialien abgeben oder gleich mitnehmen, das alles soll auch während der Luminale möglich sein. Und damit passt der Frankfurter bestens in die „Better City“-Sektion, wo Projekte realisiert werden sollen, die der Stadt auch nach Ende der Luminale 2020 erhalten werden. Dem Namen gemäß also Ideen, die weiter tragen. Zusätzlich hat er sich selbst mit einer Lichtinstallation fürs Ausstellungsprogramm angemeldet. Wie die genau ausschauen wird, lässt der 35-jährige noch offen. In einem Punkt hat sich Große-Lohmann aber schon festgelegt: Er will in jedem Fall mit gebrauchten Materialien arbeiten.

Foto: Materiallager für alle © Radar Frankfurt

Alle News

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.